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Leipziger Sportler im Interview – Tanja Schorradt und Linda Jäger vom HCL Junior Team

am . Veröffentlicht in Handball

Leipziger Sportler im Interview – Tanja Schorradt und Linda Jäger vom HCL Junior TeamLeipzig. Während die Bundesligamannschaft des HC Leipzig englische Wochen spielt genießen die Aktiven des HCL Junior Teams eine kleine Spielpause. Thomas Klein hat sich mit Tanja Schorradt und Linda Jäger getroffen und uns das Interview freundlicherweise zur Verfügung gestellt.

 

 

 

 

Danke, dass Ihr beiden Euch die Zeit genommen habt! Erzählt doch erst einmal, wie Ihr überhaupt zum Handball gekommen seid!
Linda: Ich würde nicht behaupten, dass es mir in die Wiege gelegt wurde, aber bereits im Alter von drei Jahren habe ich angefangen, Handball zu spielen. Der Vater meiner Freundin im Kindergarten war damals Trainer der „Minis“ beim 1.FC Nürnberg und da bin ich einfach mal mit zum Training gegangen. Es hat mir auf Anhieb Spaß gemacht und so bin ich dabei geblieben.

Tanja: Bei mir hatte mein Bruder bereits Handball gespielt und ich habe Ihn immer zusammen mit meinen Eltern vom Training abgeholt. Da wurde natürlich frühzeitig bei mir das Interesse an diesem Sport geweckt. Im Alter von vier Jahren habe ich dann zum ersten Mal in unserem Heimatverein in Gunzenhausen mit trainiert. Da es dort aber keine Mädels-Mannschaft gab, musste ich halt bei den Jungs mitmachen. Bis zur D-Jugend war das alles kein Problem, doch ab da musste ich entweder in ein reines Team für Mädchen, oder aber mit dem Handballspielen aufhören. Also bin ich zunächst nach Ansbach gewechselt, wollte mich aber ständig weiter entwickeln… Und das ging am Ende nur beim  1.FC Nürnberg, wo ich dann ab der B-Jugend spielte!

Leipziger Sportler im Interview – Tanja Schorradt und Linda Jäger vom HCL Junior Team

 

Nach der wirtschaftlichen Insolvenz des "Clubs“ aus Nürnberg im letzten Jahr stand dann der Wechsel in die Messestadt an. Wie kam es dazu?
Linda: Nun, der Zeitpunkt, als man uns mitteilte, das es definitiv nicht mehr weiter geht, war ziemlich spät in der Saison. Zunächst einmal waren wir alle wie vor den Kopf gestoßen und wussten nicht, wie es weiter gehen sollte.

Tanja: Ania Rösler hatte ja zu dem Zeitpunkt schon in Leipzig unterschrieben und als Teamkolleginnen kennt man sich natürlich ganz gut. Sie war es dann auch, die den ersten Kontakt mit dem HCL geknüpft hat. Zusammen mit unseren Eltern sind wir dann zum ersten Gespräch nach Leipzig gefahren, wo uns Herr Hähner, Herr Holz und Frau Mendel zunächst alles gezeigt und später auch alle Details mit der Sportschule genau erklärt haben. An diesen Tag kann ich mich übrigens noch ganz genau erinnern, da es mein 18. Geburtstag war.

Linda: Genau! Aber auf jeden Fall waren wir vom Konzept, sportlich wie schulisch, überzeugt und jetzt sind wir hier.

Welche Alternativen hätten Euch sonst noch offen gestanden?
Tanja: Im Prinzip keine wirklich überzeugenden! Ich hätte zwar auch in Nürnberg noch weiter Handball spielen können, doch das wäre dann in der Bayernliga gewesen. Außerdem hatten wir in der ersten wie Zweiten Mannschaft einfach zu viele Abgänge. Wenn ich also geblieben wäre, hätte ich mich vom Leistungssport verabschieden müssen und das war eben nicht das, was ich wollte.

Linda: Ich hatte ein Angebot aus Blomberg für die dortige 2. Mannschaft. Doch das hätte alles mit der Schule überhaupt nicht gepasst und mir fehlten da in gerade in diesem wichtigen Bereich einfach die Alternativen. Der HCL war der einzige Verein der alles, Sport und Beruf/Ausbildung, perfekt zusammengebracht hat.


Was haben Familie und Freunde zu Eurer Entscheidung, nach Leipzig zu wechseln, gesagt und wie schwer ist Euch selbst dieser Schritt gefallen?
Tanja: Meine Eltern haben mich, als ich in Nürnberg spielte, jeden Tag mit dem Auto hingefahren und abends dann wieder abgeholt. Das war immerhin eine Entfernung von je 50 Kilometern! Sie haben mich in Sachen Handball immer unterstützt und erkannt, wie wichtig das auch für mich persönlich war! Deswegen haben Sie mir auch Mut zugesprochen und fanden meine Entscheidung, nach Leipzig zu gehen, gut. Bei meinen Freunden war es ähnlich und es gab eigentlich keinen, der mir davon abgeraten hat. Aber dennoch bin ich ein Familienmensch und die erste Zeit viel mir schon sehr schwer.

Linda:
Meine Freunde fanden es auch gut, obwohl viele von Ihnen nicht nachvollziehen konnten, warum man freiwillig zwei weitere Jahre in der Schule verbringen kann. (Aufgrund des Wechsels in ein anderes Bundesland und aufgrund der sportlich betonten Ausprägung des Schulunterrichtes müssen beide bis zum Abitur insgesamt zwei Jahre länger die Schulbank drücken. / d.A.)  Auch meine Familie stand die ganze Zeit hinter mir. Am meisten hat sich wohl mein großer Bruder gefreut, denn der hat nach meinem Weggang mein Zimmer bekommen. Der Schritt weg von meiner Familie fiel mir insgesamt aber relativ leicht.

Wie gefallen Euch Stadt und Leute?
Linda: Leipzig ist eigentlich ähnlich wie Nürnberg! Nicht zu groß und nicht zu klein. Und genau wie Nürnberg finde ich es hier sehr schön. Am auffälligsten ist aber, dass die Leute hier freundlicher sind als im Frankenland, nur der Dialekt war am Anfang doch sehr gewöhnungsbedürftig *lacht*.

Tanja:
Dem kann ich nur zustimmen! Besonders die Innenstadt finde ich traumhaft. Und da wäre ja noch der Hauptbahnhof mit seinen vielen Geschäften… Und Linda, du hast glaube ich vergessen zu erwähnen, wie toll die die Wassershow im Karstadt findest. Es muss Dir nicht peinlich sein! *beide lachen*

Leipziger Sportler im Interview – Tanja Schorradt und Linda Jäger vom HCL Junior Team

 

Wie seid Ihr vom Team und den Trainern aufgenommen wurden und habt Ihr Euch bereits in Leipzig eingelebt?
Tanja: Sehr gut! Gleich an unserem ersten Wochenende mit der Mannschaft stand der Teambuilding-Event auf dem Programm. Mit Wanderungen nur nach Kompass und schlafen in einer Höhle. Da lernt man natürlich seine Mitspielerinnen sehr schnell kennen. Zwei Wochen später ging’s ja auch schon ab ins Trainingslager nach Dänemark, wo wir ein ganz gutes Turnier gespielt haben und somit war gleich von Beginn an eine Superstimmung innerhalb der Mannschaft.

Linda:
Durch die Auslosung der Zimmer im Trainingslager waren wir auch nicht zusammen und konnten so die anderen besser kennenlernen. Frau Mendel (die Trainerin des Juniorteams / d.A.) lässt sich da schon viele geniale Dinge einfallen.

Tanja:  In Dänemark wurde ich auch direkt zum Kapitän der Mannschaft bestimmt, was mir zusätzlich noch gezeigt hat, das ich Akzeptiert werde!

Linda: Hinzu kommt noch, das viele von uns in unmittelbarer Nachbarschaft zusammen wohnen. Das macht natürlich die Integration auch um einiges leichter.

Ihr habt in Nürnberg bereits Bundesligaluft schnuppern können und auch in der Champions League sowie im Supercup seid Ihr dort bereits zum Einsatz gekommen. Würdet Ihr das eher als Vor- oder Nachteil für Eure zukünftige Entwicklung im Handball betrachten?
Linda: Ich finde, da konnten wir einfach nur viele Erfahrungen sammeln. Wir waren von Saisonbeginn an dabei und haben während des Trainings sehr viel gelernt. Auch wenn wir nicht so oft gespielt haben sind wir mit dem Team durch alle Höhen und Tiefen gemeinsam gegangen.

Tanja: Ein ganz klarer Vorteil für meine Entwicklung! Das Training hat mich nicht nur sportlich sondern auch menschlich weiter gebracht. Gegen eine Ania Rösler zum Beispiel musst du auch im Trainingsspiel als junge Spielerin stets an deine Leistungsgrenze gehen und mindestens 130 Prozent bringen, um mithalten zu können.

Sind Euch spezielle Unterschiede zwischen den beiden Vereinen in Nürnberg und Leipzig aufgefallen? Zum Beispiel im Umfeld der Vereine oder beim Training?
Tanja:  Ja, sicher! Der Trainingsumfang in Leipzig ist viel höher und die Inhalte präziser!

Linda:  In Nürnberg wurde ein ganz anderes Training praktiziert. Auch konnte man eigentlich keine richtigen Strukturen zwischen Nachwuchs und Profikader erkennen. Hier in Leipzig ist das viel besser und es bieten sich ganz andere Möglichkeiten. Gerade das enge Zusammenarbeiten mit Union Halle-Neustadt (dem Kooperationspartner des HCL, welcher 2. Bundesliga spielt /d.A.) vergrößern die Möglichkeiten enorm.

Wie sieht denn ein normaler Wochentag bei Euch aus?
Tanja: Also… Der Tag beginnt bei uns meistens um halb acht. Nach dem aufstehen und Frühstück geht dann zur ersten Trainingseinheit, meistens Kraft oder Technik. Dann geht’s ab in die Schule bis ca. 15.00 Uhr. Dann haben wir etwas freie Zeit, bevor am Abend meistens um 18.00 Uhr das Abendtraining ansteht.

Zum Sport gehören leider nicht nur die Siege. Wie geht Ihr persönlich mit Niederlagen auf dem Parkett um?
Tanja: Naja, eigentlich verliere ich gar nicht gerne! Wer macht das schon… Aber wir werten jedes Spiel direkt am Montag zusammen mit dem Trainerteam aus und merken da denke ich am besten, woran es letztendlich lag und was wir besser machen müssen.

Linda: Nach Niederlagen bin ich immer enttäuscht und traurig, ich will schließlich immer gewinnen! Aber zu allererst beginne ich dann, die Fehler bei mir selbst zu suchen und mich kritisch zu hinterfragen.

Unsere Bundesligamannschaft führt ja momentan souverän die Tabelle an und hat den Sprung unter die acht Weltbesten Teams in die Hauptrunde der CL geschafft. Wenn Ihr selber kein Spiel habt, kann man Euch eigentlich immer zu den Spielen in der Halle beim zuschauen antreffen! Stolz auf die  Mannschaft?

Tanja: Wir haben ja selbst ein Jahr lang die Bundesliga hautnah miterlebt und wissen, was das bisher erreichte und geleistete der Ersten bedeutet. Die Mannschaft spielt wirklich tollen Handball und es macht sehr viel Spaß, dabei zuzuschauen.

Linda: Klar freuen wir uns da mit! Außerdem kann man selbst vom zuschauen noch sehr viel lernen. Besonders Beeindruckend finde ich, wie die Mädels es immer wieder schaffen, bei der Vielzahl von Spielen in kürzester Zeit immer auf den Punkt konzentriert und Fit zu sein und das volle Leistungspotenzial abzurufen. Auch und besonders gegen die vermeintlich schwächeren Gegner.

Leipziger Sportler im Interview – Tanja Schorradt und Linda Jäger vom HCL Junior Team

 

Habt Ihr engeren Kontakt zum Bundesligakader oder zu einzelnen Spielerinnen?
Linda: Engeren Kontakt eigentlich nur zu Ania Rösler. Aber selbst das gestaltet sich durch die unterschiedlichen Trainingszeiten und die vielen Reisen mehr als nur schwierig.

Tanja: Naja, wir kennen uns halt noch aus Nürnberg gut. Julia Plöger und Luisa Schulze spielen ja ab und an auch bei uns mit, da lernt man sich natürlich auch näher kennen.

Beschreibt doch abschließend einmal Eure persönlichen Ziele in naher Zukunft!
Tanja: Oberste Priorität hat bei mir das erfolgreiche Bestehen des Abitur. Und na klar will ich wieder in die Bundesliga. Ich habe gegen Viborg schon mal zwei Tore erzielt und auch wenn wir das Spiel am Ende hoch verloren haben sind das einfach Momente, die man nicht so schnell vergisst und unbedingt wieder erleben möchte! Die Voraussetzungen sind hier in Leipzig jedenfalls optimal und es liegt nun an mir, meine Ziele auch zu erreichen. Und daran arbeite ich auch hart.

Linda: Da kann ich mich Tanja nur anschließen. Um das zu erreichen weiß ich aber auch, dass ich meine körperlichen Voraussetzungen noch verbessern muss!

Wir danken Euch beiden für das offene Gespräch und wünschen Euch beim erreichen Eurer selbstgesteckten Ziele mit dem HCL ganz viel Erfolg.


(ine)

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