Birthler Behörde - Luther, Müntzer und die Stasi

Birthler Behörde - Luther, Müntzer und die StasiLeipzig. In der Reihe “Forschung aktuell - Ergebnisse aus Stasi-Akten“ stellte Dr. Jan Scheunemann, Museologe und Historiker an der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, in der Außenstelle Leipzig der BStU Erkenntnisse zur Geschichtspolitik in der DDR vor.




Dabei ist natürlich zunächst festzustellen, dass weder Luther noch Müntzer für den besagten Geheimdienst tätig waren. Jedoch nutzte die DDR von Beginn an die deutsche Geschichte und auch insbesondere den Bauernkrieg mit Thomas Müntzer zur Legitimation des eigenen Systems. Schon in den ersten Jahren rund um die Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone wurde versucht, diese an die “revolutionären“ Bauern des 16. Jahrhunderts anzulehnen. Diese Traditionslinie wurde versucht bis in das 20. Jahrhundert fortzuführen und nachzuweisen. Dabei entstand eine sehr selektive Geschichtsdeutung, so wurde Martin Luther etwa meist weniger als Theologe betrachtet als vielmehr als Auslöser reformatorischer Ideen. Die Vereinnahmung der Geschichte für Staat und Apparat gipfelte in Inszenierungen des Staates zu besonderen Jubiläen, z.B. des 500. Geburtstages von Martin Luther 1983 für den ein staatliches Luther-Komitee geschaffen wurde, wie es auch unter dem Vorsitz Erich Honeckers ein staatliches Müntzer-Komitee gab.
Dr. Scheunemann sprach auch Probleme an, die sich durch diese Vereinnahmung zwischen Kirche und Staat ergaben. Die evangelische Kirche arbeitete zwar an verschiedenen Projekten mit, beteiligte sich aber nicht an den Komitees.  Anders die Christlich Demokratische Union der DDR – sie war an allen Aktionen führend beteiligt.
Dr. Scheunemann arbeitet am Forschungsprogramm “Reformation und Bauernkrieg. Geschichtspolitik und Erinnerungskultur in Museen und Ausstellungen in der Bundesrepublik und der DDR“.
Weitere Informationen zu Vorträgen im Rahmen dieser Reihe sind auf der Homepage der BStU, www.bstu.de, zu finden.

(ine)

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