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Zeit für Regional und Bio auf dem Teller

am . Veröffentlicht in Waterkant

Zeit für Regional und Bio auf dem TellerRügen. Explodierende Kürbisse aus China, Frühkartoffeln aus Ägypten, Zypern oder Biogurken nebst Tomaten aus Spanien, zunehmend mehr Verbraucher denken angesichts Skandalen schon lange darüber nach, woher unsere Lebensmittel, auch die mit Bio-Siegel, alle kommen.

 

 

 

 

“Regional ist relativ.“, sagte der Terra-Naturkost-Verkäufer Tobias Vierig auf die in seinem Unternehmen angebotenen Salate aus dem Berliner Raum angesprochen. Die werden wiederum nach Rügen geliefert, obwohl kaum ein Produkt schneller zerfällt, als das Vitamin im Salat. Terra-Produkte übrigens, die vorsichtshalber am 26. Mai vorbeugend auf Kosten des Lieferanten aus den Regalen genommen wurden, sind nach den bekannt gegebenen Untersuchungen vom 31. Mai durch mehrere Institute alle als “nicht kontaminiert“ eingestuft. Gerüchte sind also ohne Grundlage. Bio hat schon immer eine weitaus höhere Kontrolldichte als andere Ware gehabt.

Doch nun schlägt die Zeit, die sich lange Zeit sich auseinander entwickelnden Begriffe “Bio“ und “Regional“ wieder zusammenzuführen. Denn auf Rügen oder auf dem Nord- und Ostvorpommerschen Festland werden ebenso Salate angebaut, die eigentlich nur hier und nicht globalisiert “Regional“ sind, also anderswo schon wieder lange Transportwege zurückgelegt haben.
EHEC zeigt uns einmal mehr die Grenzen für Lebensmittel auf. 22 Fälle mit steigender Tendenz auf der Insel Rügen. Und dabei Kinder, die teils im Zeitraum der Infektion kein Gemüse zu sich genommen haben. Auch kein Bio-Gemüse. Also irgendeine Form der Übertragung durch Tröpfcheninfektion, wie bisher auch für den Hamburger Großmarkt angenommen, wo bio und konventionell gemeinsam auf einer Transportschiene in den Handel kommen.
Lebensmittel, die solch aufwändigen Transport erfordern, müssen für einen vertretbaren Marktpreis zwangsläufig immer billiger im Einkauf werden. Denn der Flug von China, Ägypten oder auch Spanien kostet. Masse und dennoch Klasse? Geht das? Zu welchem Preis kann ein Kopfsalat markttauglich erzeugt werden? Wann ist die Kette so lang, dass niemandem auffällt, wenn dioxinhaltiges Maschinenöl ins Futter der Tiere gemischt wird, deren Fäkalien wiederum auf dem Acker ausgebracht werden. Das zu Kontrollieren geht nur mit dem sprichwörtlichen Nachbarn, der einem als Verbraucher auf die Finger schaut. Was also ist Regional?
Dr. Jörg Heusler, der zuständige Rügener Amtsarzt und somit von Amts wegen mit der Thematik und diesen Fällen betraut, benennt es für sich: “Ich hole meine Salate alle aus dem eigenen Garten.“ Doch wer kann das heute mehrheitlich schon? Aber wir haben ja Obst in Altkamp, Gemüse in Stönkvitz, Kransdorf, Samtens und anderswo angebaut. Ebenso Salat in Rosengarten oder Kransdorf, vor den Toren Stralsunds und im Umland von Greifswald... Leider ist jedoch diese Ware wegen des Systems der Großhändler Denree, Terra oder anderen schon wieder mit einem relativen “Regional“ versehen. Und für den regionalen Einkäufer ist es einfacher, alles beim Großhändler aus einer Hand zu ordern. Wie übrigens auch die Köche noch lange nicht in Scharen die Produkte für die Regionale Esskultur auch regional beziehen. BioFrisch Nordost ist der naheliegendste Händler für Produkte aus der weiteren regionalen Umgebung.

 

Zeit für Regional und Bio auf dem Teller

 

Realistisch gesehen ist die Chanve natürlich auch gering, die zugegeben heute seltene Chance zu nutzen, Rinder von der Insel Öhe, Salate und Gemüse von hiesigen Böden zu konsumieren. Das Fleisch wiederum geht nach Salzburg und Berlin. Andererseits liefert die Insel nach Aussagen eines Getreidebauern zwar ungefähr 70-mal so viel Getreide wie sie zur Ernährung benötigen würde, aufs Festland.
Ackerfläche für das aufwendigere Gemüse und die Salate jedoch wird immer weniger. Gärten, die zu DDR-Zeiten eine Notwendigkeit waren, sind häufig aufgrund explodierender Grundstückspreise nicht mehr bezahlbar. Und dann haben wir das hier nur am Rande erwähnte Problem der so genannten Biokraftstoffe, die nun ihrerseits beginnen, Anbaufläche wegen höherer Erträge zu verbrauchen.
Realistisch gesehen, wäre der Markt derzeit einem Ansturm auf regionale Ackerbau-Produkte nicht gewachsen. Doch wann fangen wir an, wenn nicht jetzt? Denn verkommen sollten die frischen Produkte der Insel dennoch nicht, weil das Bad mit dem Kind ausgekippt wird und nun die reine Fleischeslust endlich mal wieder dominieren darf. Bis zum nächsten Dioxin-Skandal? Nur hier kann das Produkt morgens frisch - am Abend auf den Tisch kommen. Geschäfte in Baldereck, Sellin, Samtens, Rappin und Rosengarten werden auf Rügen schon Gemüsekisten gepackt. Einmal die Woche kommen so Produkte mit nachvollziehbarer Herkunft in die Haushalte. Bioläden in Bisdamitz, Putbus, Binz, Baldereck, Sellin, Bergen, Samtens und Rosengarten ebenso wie derer drei in Stralsund und weitere im Umland bemühen sich, die Struktur zu erschließen, derer sich auch die Discounter dieses Jahr schnell – zu schnell?? - bei wachsender Nachfrage für breitere Konsumentenkreise angeschlossen haben. Nun also sollte der Kunde/die Kundin entscheiden. Nicht durch reinen Verzicht sondern durch gezielte Nachfrage nach regionalen und nach anerkannten Bio-Richtlinien erzeugten Produkten. Niemand lässt sich so nachhaltig auf Redlichkeit im eigenen Interesse kontrollieren, wie Bioland, Demeter, Biopark und andere Anbauverbände. Gehen wir es also an. Fragen Sie nach Regional UND Bio!

(© 2011 ostSeh/küstermann Andreas Küstermann)


 

 

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