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Tod eines zweijährigen Kindes in Leipzig - Widersprüchliche Aussagen vom Jugendamt

am . Veröffentlicht in Leipzig

Tod eines zweijährigen Kindes in Leipzig - Widersprüchliche Aussagen vom Jugendamt Leipzig. Das Leipziger Jugendamt sieht bei seinen Mitarbeitern “keinen Verstoß gegen fachliche Standards und gesetzliche Vorgaben“, trotzdem musste ein ein zweijähriger Junge neben seiner drogensüchtigen Mutter sterben.   

 

 

 

Das Leipziger Jugendamt hat am Mittwoch zu einer erneuten Pressekonferenz geladen, um weitere Erkenntnisse zu den Umständen des Todes eines zweijährigen Jungen aus Sicht des Jugendamtes zu bekannt zu geben. Wie schon beim ersten Termin waren Jugendamtsleiter Siegfried Haller und Sybill Radig, die Leiterin des Allgemeinen Sozialdienstes Leipzig anwesend. Zudem saß am Mittwoch Sylke Lein, die Suchtbeauftragte der Stadt Leipzig im Podium.
Nach den Ausführungen von Jugendamtsleiter Haller zur Aktenlage des Jugendamtes, schilderte Sylke Lein dass 26-jährige Frau seit dem Jahr 2003 immer wieder Kontakt zur städtischen Suchthilfe hatte. Bis Ende des Vergangenen Jahres hatte die junge Mutter auch die Auflagen eines mit dem Jugendamt vereinbarten "Kontrollvertrages" eingehalten.  Als Anfang diesen Jahres der Kontakt der Suchtberater zur Kindesmutter abgebrochen war hat die Suchthilfe den Allgemeinen Sozialdienst (ASD) über diese Entwicklung informiert. Dem Jugendamt habe man zudem mitgeteilt, dass es eine Meldung des behandelnden Arztes gab, dass die Frau eine Drogenersatztherapie (Substitutionstherapie) abgebrochen habe. Es wurde auch bekannt gegeben, dass beim letzten Besuch des Arztes ein Drogentest gemacht wurde, der positiv ausgefallen war. Die Frau hatte demzufolge auch weiterhin mit Betäubungsmitteln zu tun.

 

Siegfried Haller, Sybill Radig und Sylke Lein (v.l.n.r)


Dem Jugendamt war zu diesem Zeitpunkt nach eigenen Angaben noch nicht bekannt, dass die Betreuung ihres Sohnes durch eine Tagesmutter gekündigt worden war, obwohl dies eine Vereinbarung des "Kontrollvertrages" war.
Neben der Meldung der Suchtberater gab es dann im Februar und März mehrere Meldungen an den ASD, die auf Probleme bei der jungen Mutter hinwiesen. Unter Anderen gab es am 09.02.2012 einen Polizeieinsatz bei dem auch ein Notarzt zum Einsatz kam. Wie es hieß haben die Beamten zu diesem Zeitpunkt aber keinen Anhalt für eine Gefährdung des Kindes gesehen. Am Folgetag hatte der ASD den Versuch eines Hausbesuches gemacht, vor Ort wurde aber niemand angetroffen. Der ASD und die Suchthilfe sollen dann weiter das Gespräch mit der Mutter gesucht haben.
Der ASD hatte die Frau daraufhin am 22.03.2012 zu Hause besuchen wollen, sie dort aber nicht angetroffen. Am 10.04.2012 kam die Frau dann mit einem Mann, der nach Aussage des Jugendamtes der neue Lebensgefährte der Kindesmutter gewesen sei, in die Beratungsstelle des ASD. Bei diesem Besuch erklärte sie, dass sie wegziehen möchte. Aufgrund dieser Aussage und weil sie und ihr Sohn an diesem Tag einen Eindruck hinterließ, ging der Mitarbeiter des Allgemeinen Sozialen Dienstes von einer guten Prognose in diesem Fall aus. Dies war auch der letzte Kontakt des Allgemeinen Sozialen Dienstes zur Kindesmutter.
In der Nacht vom 16. auf den 17. Juni wurde die 26-jährige Frau und ihr Sohn dann Tot in der Wohnung in Leipzig Gohlis aufgefunden.
Jugendamtsleiter Haller betonte immer wieder, dass die geltenden Standards und gesetzlichen Vorgaben nach seiner Aktenlage eingehalten wurden. Im späteren verlauf der Pressekonferenz sagte er dann auch, dass geprüft werde, ob der Mitarbeiter des ASD für die letzte Entscheidung im April eine Teamkonferenz hätte einberufen müssen. Bei einer solchen Teamkonferenz hätte dann auch die städtische Suchthilfe mit am Tisch gesessen. "Möglicherweise sind beim letzten Gespräch am 10. April Standards unterschritten worden.", bemerkte Haller dann kurz vor Ende der Pressekonferenz.
Die Ermittlungen von Staatsanwaltschaft und Polizei zu den Umständen der beiden Todesfälle laufen unterdessen weiter. Dabei wird auch geprüft ob es Versäumnisse bei den Behörden gegeben haben könnte. Sollten dabei Versäumnisse bekannt werden würde dann auch die strafrechtliche Relevanz geprüft werden. Bislang gab es noch keine Aussage zum genauen Todeszeitpunkt und der Todesursache.

(msc)

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